25.08.10 | Fußballkultur

Alles auf Ojamaa

Schnauze voll von Fußball, nachdem man vier Wochen lang seine Tage mit Spielen wie Algerien gegen Slowenien oder Neuseeland gegen die Slowakei verbracht hat? Von wegen! Ungefähr drei Tage nachdem die WM in Südafrika beendet war, stellte sich schon wieder dieses flaue Magengefühl ein. Die Handinnenflächen waren permanent feucht und der Stuhl auch nicht immer fest. Sommerpausen machen aus mir immer einen noch schlimmeren Fußball-Junkie als ich es während der Saison eh schon bin. Ich mutiere dann zu einem komplett unzurechnungsfähigen Spinner. Keine Spiele, die mich ablenken. Ich habe einfach zu viel Zeit, was dazu führt, dass ich quasi höchstpersönlich die Planungen für Alemannia akribisch übernehme und gleichzeitig schon die Aufstiegsfeier plane oder die Flugverbindungen nach Berlin im Mai abchecke.
 
Schon während der WM lief meine Saisonvorbereitung auf Hochtouren. Kein Spiel ohne deutsche Beteiligung, in dem ich nicht mit Notizbuch und spitzem Bleistift bewaffnet, auf der Suche nach Verstärkungen war. Passt der neuseeländische Innenverteidiger zu Nico Herzig? Ist der Linksverteidiger aus Nordkorea eine echte Alternative zu Timo Achenbach? Oder: Passen die Laufwege des australischen Edeljokers zu denen von Benny Auer?
 
Keine Frage – vor einer Saison verbringe ich mehr Zeit auf transfermarkt.de als mit meiner Frau, was die auch nur manchmal lustig findet. Egal – es ist Sommerpause und da werden Einträge in Internet-Gerüchteküchen zu viel zu frühen Wasserstandsmeldungen, um mindestens genauso so schnell wieder ersatzlos gestrichen zu werden. Klar, dass weder der Joker aus Down Under noch der Linksverteidiger mit Kim Jong-il-Tattoo in der Gerüchteküche auftauchen. Aber mich fragt eben keiner.
 
Die wirklichen Neuzugänge empfange ich natürlich trotzdem überschwänglich und ordne ihnen wider der Erfahrung aus Jahrzehnten Alemannia grundsätzlich Wunderstürmer-Fähigkeiten zu. Das wiederum posaune ich dann lauthals und überheblich im Freundeskreis der Gladbach- oder Köln-Anhänger herum. Bestes Beispiel war die Verpflichtung des jungen Esten Henrik Ojamaa. „Freunde, der Mann kommt von Derby County! Da wird „fett“ noch mit „o“ geschrieben – also anschnallen! Der wird einschlagen wie eine Atombombe!“ Da die Jungs mich kennen, ernte ich meistens nur ein müdes Lächeln für solche Prognosen, was mich aber nur noch mehr anspornt. Ob man dann allerdings wirklich gleich einem Arbeitskollegen die fragwürdige Wette anbieten muss, dass der junge Mann aus Estland in jedem Fall 16 Nüsse in der neuen Saison macht? Ich weiß ja nicht – schließlich bin ich nicht unbedingt ein ausgewiesener Kenner des estischen Fußballs. Gemacht habe ich es trotzdem. Wetteinsatz: ein Abend, bei dem der Sieger vom Verlierer komplett ausgehalten wird. Ich hab´s ja sitzen.
 
Obwohl: Der Junge kommt von Derby County. Da wird „fett“ noch mit „o“ geschrieben. Und außerdem: 16 Dinger sind schnell geschossen, vor allem, wenn auch DFB-Pokaltore zählen. Und hey, dass wir den Pott nach Aachen holen, ist ja wohl gesetzt. Da gehe ich jede Wette! Schlägt jemand ein?






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