24.01.11 | Liga-Kolumne
In Bed with Sepp Maier
Peter Hyballa hat als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Was sich zunächst wie ein beinhartes Geständnis auf einer braunledernen Couch beim Therapeuten seines Vertrauens anhört, ist in Wahrheit gar nicht weiter schlimm. Denn eine Menge Leute haben als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Meine war aus Frotteé und weinrot. Und das war längst nicht alles: Als ich ganz klein war, überzog meine Mutter das Bett ihres Sohnes von Zeit zu Zeit sogar mit Sepp-Maier-Wäsche. Auf dem Kissen lachte dessen Konterfei und auf der Decke flog er durch den Fünfmeterraum des Olympia-Stadions, um irgendein Geschoss zu entschärfen. Ganz großes Kino für einen kleinen Jungen, der mal Torwart werden wollte!
Wie gesagt, viele Menschen haben als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Das würden allerdings nur die wenigsten zugeben. Denn in Bayern-Bettwäsche geschlafen zu haben, gilt nicht unbedingt als Kavaliersdelikt unter Fußball-Fans. Vielmehr spielt das in einer Liga mit „Rolf Zuckowski hören“, „Arschhaare rauchen“ oder „Winter Weltmeisterschaften in Wüstenstaaten unterstützen“ – eben ein echtes Kapitalverbrechen. Woran liegt das eigentlich?
Ich glaube, am Ende gibt es eine ziemlich einfache Erklärung dafür. Als Kleinkind kann man sich der Marketing-Kirmes, die um die Jungs aus München gemacht wird, einfach nicht entziehen. Wie kann man als Achtjähriger den Verein mit den größten Stars, den schönsten Trikots und dem meisten Erfolg auch Scheiße finden? Gar nicht! Also, schläft man zwangsläufig auch in deren Bettwäsche, die man sich zu Weihnachten von der sonst so schlabbrig küssenden Patentante gewünscht hat. Irgendwann wird man dann älter, ein bisschen schlauer, bemerkt den Verein in der Nähe und geht hin. Den bezeichnet man dann lange als seinen Zweitverein, ohne zu merken, dass es schon lange anders ist. Und dann kommt eben irgendwann der FC Bayern zu Besuch, verprügelt den früheren Zweitverein nach Strich und Faden, fährt ohne mit der Wimper zu zucken weiter zum nächsten und macht dort das gleiche direkt noch mal. Klarer Fall: Vor solchen Typen hätten uns unsere Eltern mal warnen sollen, nicht vor den Drogendealern auf dem Schulhof, die da eh nie aufgetaucht sind. Nein – auf die Typen, die einfach in unsere Städte kamen und uns den Arsch versohlten als wäre es gar nichts, hätten sie uns vorbereiten sollen. Vergeigte Meisterschaften, Abstiegstragödien und echte Tränen von gestandenen Männern gehen auf das Konto des FC Bayern. Fragen Sie ruhig mal in Schalke, Bremen, Köln, Leverkusen oder Hamburg nach. Da schlagen sich ganze Stadtviertel mit psychischen Spätfolgen herum, nur weil Patrick Anderson, Roland Wohlfarth oder Jean-Marie Pfaff vor Jahren einmal bei ihnen zu Besuch waren.
In Aachen können wir uns eigentlich nicht sonderlich über solche Stippvisiten beschweren. Denn als Uli Hoeneß mit seiner rot-weißen Zipfelmütze in Bernabeu oder Old Trafford saß, froren wir auf den Stehplätzen von Verl bis Münster. Und als sich in München die internatonalen Top-Stürmer die Klinke in die Hand gaben, verpflichteten wir Typen, die wie deren Trikot-Sponsor Commodore hießen. Egal – wenn sie denn dann noch mal den Weg an den Tivoli fanden, gab es meist einen Satz heiße Ohren und wir drehten den Spieß kurzerhand um. Eriks Kopfball mit anschließendem „Trikot-über-den-Kopf-Jubellauf“, Stefan Blanks Granate von der Oliver Kahn wahrscheinlich noch heute den Windzug spürt, Jan Schlaudraffs Pirouette gegen Mark van Bommel nach der der einen Kompass brauchte oder Klitzes Karnevalsabstauber im Bundesliga-Jahr – in Aachen gab es für Bayern nie viel zu gewinnen.
Und daher komme ich auch ganz gut klar mit dem FC Bayern. Ich kenne die nur als gute und höfliche Gäste. Die kommen vorbei, liefern die Punkte ab oder winken uns durch in die nächste Runde und sind dann auch schon wieder weg. Gute Jungs! Ich mag die! Echt! Und damit das so bleibt, sollten wir heute alles beim Alten lassen – alleine schon, damit niemand durcheinander kommt und am Ende noch auf irgendeiner braunledernen Couch landet. Und schon gar nicht Peter Hyballa.
Also, liebe Bayern – herkommen, umziehen, verlieren! Hat sich doch bewährt. Dann schlafe ich zur Feier des Tages auch noch mal in Bayern-Bettwäsche oder in der von Sepp Maier mit der Glanzparade auf der Decke. Versprochen!

