24.08.12 | Liga-Kolumne

Kroketten Aroma

Als mein bester Freund und Kupferstecher Peter Schmitz vor kurzem geheiratet hat, hielt er eine phantastische Rede, die seine Braut und alle anderen anwesenden Frauen zu Tränen rührte. Mir überreichte er bei der gleichen Gelegenheit als einzigem Gast einen Teller Kroketten, weil ich ihm vorher Monate lang mit stoischer Ruhe eingetrichtert hatte, dass Hochzeiten ohne Kroketten wie Spiele von Sascha Rösler ohne gelbe Karte seien – eben irgendwie nicht vollständig. Eine Binsenweisheit, die seine Frau Annabelle zwar nicht unbedingt teilte, die sich aber im Laufe der Feier als absolut eisernes Gesetz herausstellte, avancierte ich doch mit meinem Teller Kroketten zum gefragtesten Mann des Abends und tauschte als solcher die Dinger gegen teure Zigarren. Manchmal gibt es Tage, die sind perfekt – Peters Hochzeit war so einer. Kroketten, weinende Bräute und eine krachende Party mit kubanischen Zigarren. Besser geht’s nicht.
 
Ein bisschen besser ginge es allerdings und definitiv in Sachen Peters Fußballgeschmack. Denn der Mann ist Fan von Borussia Mönchengladbach, was ja nun wirklich kein Beweis für guten Geschmack ist. Und das alles nur, weil sein Großvater ihm vor 35 Jahren auf der Annakirmes in Düren mit einer mindestens windschiefen Machete einen Wimpel von den selbsternannten Fohlen schoss. So kann´s manchmal gehen: Opa tut das morgendliche Körnchen so gut , dass die Kirmes-Knarre so gut in der Hand liegt wie sonst nur der Spazierstock und schon muss man für den Rest seines Lebens seinen Hintern alle 14 Tage an den Niederrhein tragen – wo ja tendenziell 95 Prozent aller Einwohner miteinander verwandt sind. Aber was willste machen? Den Verein suchst Du Dir nicht aus. Und so ist das, was für mich ein grenzdebiler Alptraum wäre, für Peter offenbar gar nicht mal so schlimm. Ein Fanleben ist eben kein Teller Kroketten.
 
Und eigentlich finde ich es mittlerweile auch ganz gut, dass es so gekommen ist. Den was wäre die Welt ohne die fast täglichen Frotzeleien, wenn es zum Thema Fußball kommt. Noch heute lasse ich regelmäßig die Volleyballkünste des George Mbwando oder die Gladbacher Scouting-Strategen aus der „Abteilung Schlaudraff“ hoch leben, wenn der selbst ernannte Mythos mal wieder ein bisschen zu hoch fliegt. Natürlich darf ich mir dafür ab sofort immer wieder gerne den Arrango-Tanz von letzter Woche vorführen lassen, wenn ich mal wieder den Mund etwas zu voll nehme.
 
Aber selbst wenn kein Fußball auf der Agenda steht, heißt das noch lange nicht, dass Alemannia oder Borussia nicht mit im Spiel wären. Erst vor kurzem weilte ich dem Gezeche wegen über Nacht in Düsseldorf und wir tranken alles, was uns vor die Flinte kam – außer Altbier. Zwar brachten wir keine Frauen zum Weinen, aber ansonsten hatten wir genau den Spaß, den man eben hat, wenn die besten Kumpels unterwegs sind. Der absolute Burner wartete allerdings auf mich als wir durch seine Wohnungstür flogen, um nur noch auszutesten, ob der Verzicht auf Zähneputzen eine Katerbremse für den nächsten Tag sein kann. Doch bevor ich auch nur daran denken konnte, mich auf die Matratze fallen zu lassen, um von Kroketten zu träumen, sah ich begleitet von Peters miesem Lachen die grüne Bettwäsche mit der schwarz-weißen Raute darauf. Was tun? Das Ganze abzuziehen ging in meinem Zustand nicht mehr – da biss die Maus den Faden mal wieder nicht ab. Auf der anderen Seite wäre das Foto des schlummernden Sascha Theisen in Borussia Mönchengladbach auf Facebook ein echter Renner. Keine Frage: Eine äußerst brisante Situation, die ich aber formvollendet meisterte. Das Kopfkissen schaffte ich gerade noch so abzuziehen, so dass die Fotogefahr auf ein Minimum reduziert wurde und den Rest der Bettwäsche bedachte ich mit einer echten Waffe. Denn ich holte kurz Luft, dachte an die Machete von Peters Opa und pupste volles Rohr direkt in die Raute, auf das die Nähte der Bettwäsche platzten – Duftmarke: Kroketten-Aroma. Damit war das Revier abgesteckt und da wo ich jetzt lag, wuchs kein Gras mehr – nicht am Niederrhein und auch nicht hier in Düsseldorf. Hier würde sicher niemand mehr ein aufwendiges Fotomotiv justieren – Facebook hin, Facebook her. Die Raute ging ein wie eine Flunder – klarer Auswärtssieg für Aachen und zwar einer von der Sorte, der Peter die Tränen in die Augen trieb. Fast so, wie damals bei der Rede auf seiner Hochzeit als es Kroketten von den besten Freunden und Zigarren von den Gästen gab. Besser geht’s nicht!
 






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