14.02.11 | Liga-Kolumne
Ohne Plumeau und ohne Hosen
Immerhin: Ein Plumeau hatte sie nicht verlangt. Als ich das letzte Mal mit Carl zum Tivoli fuhr, gab es vorher die üblichen Diskussionen zu Hause: zu kalt, zu laut, zu weit. Da sich das Geschehen gegen Fürth knapp über dem Gefrierpunkt abspielen sollte, war der Kälte-Einwand der Frau des Hauses dieses Mal nicht ganz unberechtigt.Wir wickelten uns also in mehrere Schichten, bestehend aus langen Unterhosen, Zentimeter dicken T-Shirt-Wänden und Thermo erprobten Winterjacken. Keine Frage: So konnte es los gehen, eigentlich – wäre da nicht noch die mütterliche Bedingung gewesen, einen Schlafsack mitzunehmen. „Einen Schlafsack? Hör mal: Das ist Aachen. Wenn Du da mit einem Schlafsack zum Spiel gehst, wirst Du geteert, gefedert und anschließend auf dem Marktplatz ausgestellt. Das geht gar nicht!“ Entrüstung zieht immer, dachte ich, erntete aber nur diesen ernsten Blick, den ich seit Jahren kenne und nur selten aushalte. Nach minutenlanger hitziger Diskussion konnte ich das Ganze aber doch auf eine normale Wolldecke runter handeln. Die stand allerdings nicht zur Debatte und wurde Carl von seiner Mami mit ernsthafter Miene und dem Vermerk, dass sie es rauskriegen würde, wenn er die nicht mit ins Stadion mitnehmen würde, ausgehändigt. Das schien zu wirken, denn auch mein Augenzwinkern machte Carl nicht wirklich locker.
Meine Frau hat es nicht leicht mit mir und Alemannia, hatte sie noch nie. Warum auch? Immerhin: Sie trägt es mit bemerkenswertem, manchmal sogar liebevollem Gleichmut. Etwa damals, als sie auf ihrer Hochzeitsreise in Barcelona einen vollen Tag in Camp Nou verbringen musste, ohne dass dort ein Training, geschweige denn ein Spiel stattfand. Auch den lang gezogenen „Aaachen-Ruf“ ihres frisch vermählten Ehemannes durch die ehrwürdigen spanischen Katakomben während der Stadion-Führung lächelte sie routiniert weg. Auch staune ich immer wieder mit welcher Geduld sie mir nun schon seit Jahren während unserer Urlaube folgt, um endlich ein Sportgeschäft ausfindig zu machen, das das Fußball-Trikot des jeweiligen Heimatvereins führt. Obwohl – hat ja auch was Gutes, wenn man irgendwann mal den Abend bei Günther Jauch verbringt und weiß, wie die Trikots von Slavia Prag, dem AC Florenz oder den New York Metro Stars aussehen. Wird man jedenfalls nicht dümmer von. Respekt auch, dass ich unsere Söhne beide am Tag der Geburt bei einem mittelmäßig erfolgreichen Zweitligisten anmelden durfte und mich seitdem voller Vorfreude auf den Tag freuen darf, an dem die Beiden mit betagten Mit-Sechzigern auf der Bühne der Aachener Jahreshauptversammlung stehen und Jahrhundert-Trainer Peter Hyballa ihnen die silberne Ehrennadel für das 25. Mitgliedsjahr ansteckt.
Keine Frage: Glück habe ich gehabt! Nur wenn Samstags Mittag ist und ich vorsichtshalber schon mal auf den DFB schimpfe, der in Gutsherrenart Fußballspiele ansetzt, an denen andere Menschen gerade mal die Kaffeemaschine anknipsen, dann ziehen schon mal dunkle Wolken auf im Hause Theisen – aber nur kurz. Denn eigentlich ist klar: Der Mann fährt ja doch und den Sohnemann, den nimmt er auch gleich mit. Und bald auch den zweiten. Ha, wollen doch mal sehen, wer hier die Hosen an hat.
Und als der Chef mit den Hosen an, später auf dem Parkplatz in Aachen ganz kumpelhaft dem fünfjährigen Thronfolger anbietet, die mitgebrachte Decke doch im Auto zu lassen, dann zeigt sich, wer die Beinkleider wirklich sein Eigen nennt. Denn der guckt dann ganz verängstigt und schüttelt nur mit dem Kopf. Das ist ja schon echter Männersport hier, aber das, nein, das traut er sich dann doch nicht. Don´t mess with Mami, Papi! Und der denkt dann ganz erleichtert: Zum Glück hatte sie kein Plumeau verlangt.

