23.01.08 | Fußballkultur

Neulich im Geißbockheim – Interview mit Ralf Friedrichs

Es gibt ernst zu nehmende Quellen, die sagen: Ein Buch über den 1.FC Köln findet derzeit bei den Granden rund um das Kölner Geißbockheim nicht viele Freunde. Interner Sprachgebrauch: „Wird nicht ganz so gern gesehen“. Worum es geht? „Neulich im Geißbockheim“ – ein freches Buch des Kölners Ralf Friedrichs, das den FC als das entlarvt, was er so oft entgegen seiner Selbsteinschätzung ist: ein eher provinziell geführter Verein über den man unfreiwillig lacht. TORWORT-Vater Sascha Theisen sprach mit dem Autor des wahrscheinlich nur fiktiven Buches.
 
TORWORT: Um was geht es in „Neulich im Geißbockheim“ und wie ist es dazu gekommen?
Friedrichs: Es geht in erster Linie darum, dass ein anonymer „Informant“ die streng geheimen Meetings der Führungsebene mitschneidet und daraus eine Abschrift, quasi ein Protokoll, anfertigt. So kann endlich jeder Fan, der gerne mal „Mäuschen“ spielen würde, seine Neugier befriedigen.
Letzten Endes ist dieser Umstand auch der Schlüssel zur Entstehungsgeschichte. Als Fan dieses verrückten Vereins habe ich mir genau diese Gedanken gemacht. Nach dem Motto: „Was treiben die eigentlich im Geißbockheim?“ Nachdem es in den letzten Jahren so viele Rückschläge gab, musste ich diesen Fan-Frust satirisch und humorvoll kompensieren. Zunächst einmal war aber gar kein Buch geplant. Die einzelnen Geschichten sind als Reaktion auf aktuelle Ereignisse entstanden und in FC-Foren veröffentlicht worden. Innerhalb eines Zeitraums von 1,5 Jahren kamen dabei viele Geschichten heraus, die aufgrund ihrer Beliebtheit beim Leser – gemeinsam mit unveröffentlichten Storys - nun als Buch zusammengefügt worden sind.
 
TORWORT: Du bist bekennender FC-Fan. Wie kommst Du damit klar, dass die Herren am Geißbockheim Dein Werk nicht wirklich lieben? Oder glaubst Du, dass Wolfgang Overath Dein Buch doch heimlich unter der Bettdecke liest?
Friedrichs: Ich bin Mitglied des Vereins, Overath ist also mein Präsident. Etwas Böses will ich ihm ja gar nicht, dazu verehre ich den Spieler Overath zu sehr. Daher sind die Geschichten zwar teilweise recht derb, so wie es die „kölsche Art“ auch manchmal ist. Jedoch sind sie nicht wirklich böse. Im Gegenteil, ich erhalte viele Reaktionen von FC-Fans, die bestätigen, dass die Geschichten mit Herzblut geschrieben wurden und sich genau dafür bedanken. Um konkret auf die Frage einzugehen: Die Vorstellung, das der Präsident das Buch heimlich liest, ist sicher reizvoll. In Wahrheit weiß ich aber nicht, wie die Protagonisten dieses Buch bewerten. Es wäre wünschenswert, sie würden es mit Humor und Gelassenheit aufnehmen.
 
TORWORT: In Deinem Buch wird viel getrunken. Kann man den FC eigentlich ohne Kölsch ertragen?
Friedrichs: Man kann als Fan sicher auch ohne reale Drogen die Spiele überstehen. In der Tat wird im Buch so manches Kölsch vernichtet, Ich habe aber bereits Vorwort des Buchs ganz klar Stellung bezogen und den Protagonisten“ dieses Verhalten im realen Leben nicht unterstellt. Das Kölsch-Trinken sollte lediglich ein bisschen die Kölsche Art, die Folklore untermalen. Die Herren stellen also in diesem Moment lediglich eine Art „Platzhalter“ für den „Rheinländer an sich“ dar.
Trotzdem, damit auch wirklich keine Missverständnisse aufkommen, wird der Kölschverbrauch im zweiten Buch, welches ich gerade schreibe, nicht mehr so stark im Vordergrund stehen.
 
TORWORT: Zur Gegenwart. Über Jahrzehnte hinweg hat man als Außenstehender gedacht: Wenn Christoph Daum nach Köln zurückkehrt, geht der FC ab wie ein Zäpfchen. Das blieb aus. Woran lag das aus Deiner Sicht?
Friedrichs: Vielleicht war das Daum-Zäpfchen ja schon über das Verfallsdatum hinaus?  Im Ernst: Natürlich haben wir uns alle mehr versprochen. Vielleicht kam Daum auch zu spät. Auf mich wirkt er nicht wie ein Trainer, den die zweite Liga herausfordert und motiviert. Man hätte ihn zu Erstligazeiten holen sollen, z.B. nach dem Stevens Aufstieg. Nach seinem Selbstverständnis hat er scheinbar Probleme sich mit der grauen Zweitliga-Realität abzufinden.
Aber noch kann der FC ja aufsteigen, die Chance ist ja reell und alle Fans des 1.FC Köln wünschen sich natürlich nichts anderes als die Erstklassigkeit.  Diesen Aufstieg und eine schöne Feier der Vorstandsriege würde ich dann als Geschichte in „Neulich im Geißbockheim – Teil II“ gerne mit einbauen. Da fällt mir sicher einiges zu ein.
 
„Neulich im Geißbockheim“ ist im Verlag Edition Steffan erschienen und für 9,90 Euro zu haben.






Blog Archiv

15.11.10 | Liga-Kolumne

Männerabend

mehr...

01.11.10 | Liga-Kolumne

Tageskarte, sechs Mark

mehr...

31.10.10 | Fußballkultur

TORWORT Buchtipp: Voller Leidenschaft von Melina Hahn – ein Buch zu gewinnen

mehr...

27.10.10 | Liga-Kolumne

Tränen lügen nicht

mehr...

24.10.10 | Fußballkultur

Die Welthauptstadt des Fußballs

mehr...

18.10.10 | Liga-Kolumne

Früher war eh alles besser!

mehr...

10.10.10 | Fußballkultur

TORWORT-Buchtipp: Fußball-Plakate – eine Zeitreise von Stefan Barta

mehr...

02.10.10 | Fußballkultur

Redelings live – in Aachen und der ganzen Republik

mehr...

24.09.10 | Liga-Kolumne

Was ist grün und stinkt nach Fisch...

mehr...

21.09.10 | Liga-Kolumne

Hyballa, tu´ der Tsunami rein!

mehr...

News 21 bis 30 von 132

< zurück

1

2

3

4

5

6

7

vor >

-->