19.02.13 | Liga-Kolumne

Sie nannten ihn Mücke

Klar war in den letzten Monaten bei Alemannia, dass gar nichts klar war. Nicht mal, ob es diese Kolumne noch geben würde. Was ist auch anderes zu erwarten, in Zeiten, in denen sogar die Sitzschalen nicht mehr mit warmen, sondern mit kaltem Wasser abgewaschen werden, wie man in dem ganzen Wust von Insolvenzmeldungen so lesen musste. Da es aber für die Kolumne bis jetzt sowieso nie auch nur einen Heller – und ich sage Gott bewahre, wenn ich die Darbietungen von Herrn Heller auf der rechten Seite manchmal sehe – gegeben hat, sprach andererseits auch nichts dagegen. Große Erleichterung also, als die Alemannia vor kurzem sogar die Kosten eines Telefonanrufs nicht scheute, um mir die frohe Kunde mitzuteilen, dass es erst mal weiter geht. Große Freude im Hause Theisen – denn wenn mir sonst schon keiner zuhört, wenn ich über Alemannia fabuliere, darf ich es wenigstens weiter aufschreiben. Ist ja auch schon mal was.
 
Und außerdem bin ich in Sachen Bezahlung ja auch nicht alleine. Was man so hört, spielen die Jungs da unten ja höchstens noch für eine warme Mahlzeit. Aller Ehren wert, wie ich finde! Und mal ehrlich: Die, die in den letzten Wochen gegangen sind, habe ich jetzt schon wieder vergessen. Baumgärtel habe die ganze Zeit nicht bemerkt, wenn er gespielt hat. Und die Herren Borg und Schwertfeger haben zwar drollige Namen, aber was die beruflich so machen, wurde auch nicht immer klar. Nur um den Ola tut es mir ein bisschen leid, aber man kann am Ende eben auch nicht alles haben.
 
Was wir allerdings haben, ist ein Trainer, der zwar reichlich zugewachsen ist, dafür aber tatsächlich so etwas wie Hoffnung verbreitet. Wenn man einem Freund, der noch nie am Tivoli war, erklären soll, wie der Trainer von Alemannia so rüber kommt, muss man wahrscheinlich bei Bud Spencer anfangen und bei Reinhold Messner aufhören – dann ist man allerdings nah dran. Und dieser Bud-Spencer-Yeti lässt derzeit keine Gelegenheit aus zu betonen, dass er bei Alemannia bleibt – egal, was passiert und dass es ihm auch noch Spaß macht, eine solche Saison zu spielen. Junge, Junge – wo warst Du als ich 18 war?
 
Apropos Bud Spencer: Als meine Frau zuletzt am zweiten Weihnachtstag in die Kirche ging und mich meine Jungs mit großen Augen ansahen, um so erwartungsvoll eine einstündige Fernsehsession einzuleiten, freute ich mich, unsere ganz eigene Gebetszeit mit den Worten „So Jungs, jetzt zeige ich Euch mal einen richtigen Film!“ einzuläuten. Und als dann der wahrscheinlich beste Bud-Spencer-Streifen „Sie nannten ihn Mücke“ im DVD-Player lag, war klar: Eine weitere gemeinsame Leidenschaft der Theisen-Männer war gefunden. Bei „Sie nannten ihn Mücke“ geht es um einen Trainer, den sie eben Mücke nennen, der aber eher wie ein behaarter Elefant aussieht. Er übernimmt eine Football-Mannschaft, die gegen eine amerikanische Militärauswahl antreten muss. Sie trainieren, verprügeln zwischenzeitlich ein paar Gangster und haben eine ganze Menge Spaß. Etwa den gleichen Spaß, den wir Drei zu Hause vor dem Fernseher bei den Prügelszenen hatten. „Hallo – ich bin der verrückte Saucenteufel!“ – der letzte Satz eines verrückten Gangsters bevor er von Bud Spencer in einen Trog voller Tomatensauce gehauen wird. Seitdem ist der Saucenteufel-Satz fester Bestandteil des Einschlafrituals, wenn der Papi die Jungs ins Bett bringt. Wie auch immer – am Ende des Films kommt es zum großen Showdown und die Mücke wechselt sich selber ein, haut alle Amis zur Seite und macht das entscheidende Tor. Begleitet von irrwitziger 80er-Jahre-Filmmusik kommt es zum Happy End.
 
Hey – wem da nicht die Parallelen zu Alemannia auffallen – dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! Leute, wir haben die Mücke auf der Bank! René van Eck ist die Mücke! Der Junge hat Herz, Leidenschaft und vor allem einen Arsch in der Hose! Und genau deswegen mag ich den Mann. Und das Beste ist: Der macht auch dann noch weiter, wenn es richtig dunkel wird! So muss das sein! Das mache ich auch und freue mich auf die nächsten Kolumnen. Und wenn mein Platz zehn Mal mit kaltem Wasser abgewaschen wird.
 






Blog Archiv

25.11.14 | Fußballkultur

Die neuen Helden – TORWORT Vater Theisen im Gespräch mit sich selbst

mehr...

09.09.14 | Liga-Kolumne

Die Magie der Tageskarten

mehr...

13.08.14 | Fußballkultur

Der Pass ist immer modern

mehr...

12.06.14 | Fußballkultur

Die Besten aller Zeiten

mehr...

26.05.14 | Liga-Kolumne

Vielleicht! Wie immer vielleicht!

mehr...

02.04.14 | Liga-Kolumne

Mitleid de Luxe

mehr...

27.03.14 | Liga-Kolumne

Meine Nacht als Guardiola

mehr...

21.11.13 | Fußballkultur

Offizielle Buchpräsentation "WM-Helden" am 9. Dezember in der Hammond Bar

mehr...

28.10.13 | Fußballkultur

WM-Helden – das neue Buch von TORWORT Vater Theisen

mehr...

20.08.13 | Liga-Kolumne

Ein schöner Ausflug

mehr...

News 1 bis 10 von 153

1

2

3

4

5

6

7

vor >

-->