17.04.07 | vergangene Lesung / Klassiker

In den Slums von Düren

Als Local Hero Frederic Latz aus Toni Schumachers Buch Anpfiff las, bebte „Das Brauhaus“ in Düren. Die Düren-Passage in Tonis Klassiker sprach für sich: „Meine Slums“ nannte Schumacher seine Heimatstadt – Slums, in denen er zum „Fußball-Rocky“ geworden war, weil er seine Jugend „in einer Schublade“ verbringen musste. Ein launiger Abend schaukelte seinem Höhepunkt entgegen. Doch der Reihe nach.
 
Nach einem kurzen Intro von Moderator Sascha Theisen und DJ Schnuphase – beide aus den Slums Dürens entsprungen – begann der TORWORT Reigen an der Rur mit dem Dänen Michel Birbaek und seiner formidablen Geschichte um den kleinen Torwart-Pudel „Le Petit“. Anschließend roch es zum ersten Mal an diesem Abend nach Lokalkolorit. Christoph Löhr verlas aus dem Aachener Fanzine „In der Pratsch“ das, was Alemannen bewegt: Modernisierungsszenarios und schreckliche Texte aus selbst ernannten Fanhymnen. Die erste Hälfte schloss mit dem sympathischen Horst Köppel. Der erinnerte anhand des Buches „Meine launische Diva“ von Helmut Grasshoff an Zeiten, in denen die Gladbacher Borussia als deutscher Botschafter in Israel unterwegs war. Anschließend stand er den Zuhörern Rede und Antwort. Schon heute legendär: die messerscharfe Diagnose, dass der Kaiser schon immer auf Blondinen stand. Was der Franz im WM-Lager von Queretaro 1986 veranstaltet hatte, blieb nur einigermaßen im Argen. Wohl dem, der zwischen den Zeilen zu lesen verstand.
 
Die zweite Halbzeit begann dann mit Christopher Lymberopoulos, dem Pressesprecher des 1. FC Köln, der in seiner Funktion wenig Mühe hatte, die Medieneskapaden eines Christoph Daum in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Auch die entschlossenen Wadenbisse des Moderators brachten ihn dabei kaum aus der Ruhe. Sein Text über die Kölner und ihren FC war jedenfalls allerbeste Werbung für den 1.FC Köln. Genau wie der darauf folgende von Frederic Latz, der kaum zehn Minuten benötigte, um den FC zur Deutschen Meisterschaft zu führen – beste Geißbockmentalität in Düren. Formvollendet vorgetragen von dem in seiner Heimat frenetisch gefeierten Latz.
 
Zum absoluten Star des Abends schwang sich allerdings ein Mann auf, der das Wort „Überraschungsgast“ für immer aus dem Dürener Wortschatz strich. Niemals wird ein solcher mehr in einer Veranstaltung in Düren angekündigt werden können. Stefan Reusch aus Köln betrachtete derart feinsinnig und subtil die Fußball-Verdrehungen des 1.FC Köln, dass allen Anwesenden Hören und Sehen verging. Sein anschließender WM-Rückblick stand dem in nichts nach. Die Slums verbeugten sich so am späten Samstag Abend vor einem Kölner, den sie vorher noch nicht kannten. Was für ein Ende für einen großartigen Abend, der erst um halb fünf morgens mit einem abermaligen Birra Duria und der epochalen Feststellung des TORWORT-Vaters „Ich werde heute nicht mehr besoffen“ endete. Die Dürener Slums hielten, was sie versprachen.







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