17.03.10 | vergangene Lesung / Klassiker

TORWORT in Bayern – das beste Roadmovie aller Zeiten

Eine Autofahrt mit Stefan Barta hat ein bisschen was von einer TORWORT-Lesung – vor allem dann, wenn man lange unterwegs ist. Etwa von Köln nach Regensburg und München. Dann zieht der Hammer Schalke-Fan seinen Laptop aus dem Rucksack und zeigt die Foto-Ordner von Auswärtsfahrten nach Santander, Saloniki oder Wien. Oder die von der Fahrt nach Bochum, als er mit seinen Schalke-Kumpel in der Stretch-Limo zum Ruhr-Stadion fuhr und die Bochumer mit offenem Mund beobachteten, wie die Schalker direkt vor ihrer Hütte ausstiegen – natürlich nicht bevor sie die komplette Minibar in der Limo vernichtet hatten. Es wurde jedenfalls nicht langweilig auf unserer TORWORT-Tour nach Bayern. Auf der Fahrt sorgte eben jener Barta – von uns für unsere Auswärtsspiele in regensburg und München kostengünstig verpflichtet – für kurzweilige Unterhaltung. Fachsimpeleien über Fußball-Trikots, Spielplakate und Stadien rundeten die Fahrt ab.
 
Angekommen in Regensburg erwarteten uns echte Fußballkultur-Freunde – angeführt vom dortigen Local Hero Tom Muggenthaler, der unsere Lesung in der Alten Filmbühne famos vorbereitete und uns wie Könige empfing. Im wunderbaren Gewölbekeller stand die Technik schnell und mit Christoph Ruf und Armin Radtke kamen flugs die weiteren Autoren für unsere TORWORT-Premiere in Regensburg dazu. Ein schnelles Becks und schon konnte es los gehen. Die Lesung begann mit unserem festen Auswärtsprogramm. Amerikanische Fußballfrauen und der Theisen/Schmitz-Rückblick auf ihre Kreisklassen-Vergangenheit bildeten den Auftakt der Lesung. Anschließend wartete der nie still stehende Barta mit seiner Auswärtsfahrt ins ukrainische Doneszk – mit dem Zug 44 Stunden lang – auf. Eine wirklich abgedrehte Geschichte, die durch einen der beschriebenen Fotoordner aber einwandfrei und lückenlos belegt wurden. Nach Barta – das war klar – konnte nur ein Bayern-Fan kommen. Armin Radtke las aus seinem Buch „Sehnsucht FC Bayern“ über Pinkelpausen mit Uli Hoeneß, kindliche Erinnerungen und eine schnell und gedrungen gefüllte Bayern-Thermoskanne. Unterbrochen wurde sein gekonnter Vortrag von einem Urschrei des TORWORT-Vaters Theisen, der von einem Gast im Publikum per Handzeichen vom Heimsieg der Aachener Alemannia gegen Arminia Bielefeld unterrichtet wurde. So ging die erste Hälfte feuchtfröhlich zu Ende und schon jetzt war klar: Diese Lesung würde hoffnungslos überziehen. Das war aber nach der kurzen Halbzeit den meisten im Saal komplett egal – mit Ausnahme der sonst wirklich sehr sehr netten Besitzerin Karin, die um ihre Abend-Einnahmen bangte.
 
Die zweite Halbzeit begann mit dem unvergleichlichen Christoph Ruf, der sein grandioses Repertoire an Kolumnen und Buchtexten zum Besten gab. Das ging von beißender Kritik an großspurigen Tor-Jublern über einen wunderbaren Blick auf das Museum der Spielvereinigung Bayreuth bis hin zu Jean Löring, dem einstigen Patron der Kölner Fortuna, der einst in der Halbzeitpause Toni Schumacher entließ. Unter den strengen Blicken Karins beendete Sascha Theisen dann den Abend mit dem großartigen Dieter-Müller-Trauma, das seinen Höhepunkt in den Ergüssen über die Aachener Sturm-Legende Mario Krohm hatte. Ein phantastischer Abend endete, eine noch größere Nacht begann. Diese hatte mehrere Stationen – 80er Jahre Partys, Läden mit famosen Namen, kaum ausschlagbare Angebote zur Teilnahme an der Deutschen Alternativen Fußballmeisterschaft im Team der RAF und Frauen mit gutem Musikgeschmack. Keine Frage: Es war alles dabei.
 
Alles dabei – wie im Publikum der besten Fußballkneipe des Landes: dem Stadion an der Schleissheimerstrasse in München. Dort kamen wir am nächsten Tag nach zahlreichen weiteren Barta-Anekdoten pünktlich zur Bundesliga-Konferenz an und trafen auf ein volles Haus mit Fans aller Vereine. Großartige Fußball-Atmosphäre! Hier waren wir richtig – kein Zweifel. Nach überschwänglicher Begrüßung mit Stadion-Besitzer und Gründer Holger „Holle“ Britzius wurde das Equipment verstaut und das erste Konterbier geordert. Und nachdem ein paar Stunden später ein Holländer zwei Mal genetzt hatte, konnte es los gehen. Der Start war der Gleiche wie in Regensburg, aber nicht weniger launig und erfolgreich. Wie schön, als ein Besucher beim Gedanken an die stinkende Sporttasche im Kofferraum vor dem Kreisklassespiel enthusiastisch und doch etwas gedankenverloren in den Saal rief „Genau so ist das!“. Wieder gab der große Barta seine Doneszk-Story und begeisterte damit nicht nur den anwesenden Schalke Fanclub. Sein Buch „;Mein Parkstadion“ wurde im ganzen Stress ganz vergessen, daher sei es an dieser Stelle noch einmal jedem wärmstens empfohlen. Ebenso wie der Schmöker „Traumfußball“ von SPIEGEL-Korrespondent Thilo Thielke, der daraus eine wunderbar beißende Geschichte über Winnie Schäfer las. Da diesmal kein Zeitdruck bestand wie noch in Regensburg, war nun genügend Zeit für ein Halbzeit-Bier und gebührende Fachsimpelei – beispielsweise mit Besitzer Holle, den wir ab sofort in unseren „Club der coolen Leute“ aufnehmen und zu unseren ganz großen TORWORT-Freunden zählen.
 
Die zweite Hälfte begann wieder mit TORWORT-Vater Theisen, der erneut an Dieter Müller, Karl-Heinz Rummenigge und den Besten der Besten, Mario Krohm, erinnerte. Der Höhepunkt des Abends war allerdings der Auftritt des phantastischen und unvergleichlich sympathischen Jan Weiler, der eine wunderbare Fußball-Fiktion um einen wahnsinnig schlechten Fußballer, der einen Pakt mit dem Fußballgott abschließt, so gekonnt vortrug, das dem gesamten Podium schlicht die Spuke wegblieb. Einzigartig! Einen drauf setzen konnte nur noch Bayern-Fan Matthias Anthony Cranich – zum ersten Mal in der TORWORT-Geschichte sprang übrigens ein Bayern-Fan bei dessen Bayern-Lied auf und sang es lauthals mit. Respekt! Einen Arsch in der Hose haben sie ja. Auch in München endete zwar der Abend, aber lange nicht die Nacht. Im Gegenteil: Die begann erst und bestand aus Barta-Anekdoten, vielen Schnäpsen und launigen Fachgesprächen, zu denen sich kurzerhand auch noch Christoph Ruf und Tom Muggenthaler gesellten. So vereinten sich zu früher Morgenstunde die Regensburger mit den Münchener TORWORT-Protagonisten und machten so ein grandiose Tour zu einer historischen. Wunderbar – besser geht´s nicht.
 
Die Heimfahrt mit viel zu viel Restalkohol im Blut dauerte schließlich schier endlose sechs Stunden. Aber zum Glück war die Geheimwaffe an Bord und griff auf seine Foto-Ordner zurück und so endete die Tour so wie sie begann: mit TORWORT im Auto.







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